Es ist alles eitel von Andreas Gryphius (1616-1664)

Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reist jener morgen ein;
wo jetztund Städte stehn, wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.
Was jetzt und prächtig blüht, soll bald zertreten werden,
was jetzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein
nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t!
Noch will was ewig ist kein einig Mensch betrachten!

 

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aus: Gedichte fürs Gedächtnis, Ausgewählt und kommentiert von Ulla Hahn,
Deutsche Verlags-Anstalt, 1999, München, S. 146

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