Sommerbild von Friedrich Hebbel (1813-1863)

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
Sie war, als ob sie bluten könnte, rot;
Da sprach ich schauernd im Vorübergehn:
So weit im Leben, ist zu nah am Tod!

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
Nur leise strich ein weißer Schmetterling;
Doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
Bewegte, sie empfand es und verging.

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„Sommerbild“ schrieb Hebbel an einem Augusttag des Jahres 1844 in Paris,
also in seiner Jugend, in der die meisten seiner Gedichte entstanden.
Sie zeigen sowohl den Einfluß von Schillers philosophischer Dichtung
als auch den der unmittelbaren lyrik Uhlands. „Was ich als Poesie ausschwitzen
soll, muss ich, wenn’s nicht mein Eigen ist, doch erst als Philosophie
eingezogen haben“, schrieb er.

aus: Gedichte fürs Gedächtnis, Ausgewählt und kommentiert von Ulla Hahn,
Deutsche Verlags-Anstalt, 1999, München, S. 247

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