Reiselied von Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Durch Feld und Buchenhallen
bald singend, bald fröhlich still,
recht lustig sei vor allem,
wer‘s Reisen wählen will.

Wenn‘s kaum im Osten glühte,
die Welt noch still und weit:
da weht recht durchs Gemüte
die schöne Blütenzeit !

Die Lerch‘ als Morgenbote
sich in die Lüfte schwingt,
eine frische Reisenote
durch Wald und Herz erklingt.

O Lust, vom Berg zu schauen
weit über Wald und Strom,
hoch über sich den blauen
tiefklaren Himmelsdom!

Vom Berge Vöglein fliegen
und Wolken so geschwind,
Gedanken überfliegen
die Vögel und den Wind.

Die Wolken ziehn hernieder,
das Vöglein senkt sich gleich,
Gedanken gehn und Lieder
fort bis ins Himmelreich

 

aus: Gedichtsammlung, Hirschgraben-Verlag, 1965, Frankfurt/M., S. 75

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