Ehegedicht von Günter Herburger

Geliebt haben wir uns,
daß das Gras um uns sich entzündete,
doch die Glut schadete nicht,
so selbstvergessen waren wir.

Verfolgt haben wir uns,
daß wir uns bis ins Mark trafen,
doch die Wunden schlossen sich wieder,
da kein Blut aus ihnen kam.

Seitdem wir uns aber gereinigt haben,
zusammen alt zu werden,
wandelt sich die Liebe in Behutsamkeit,

und das Blut, das mitunter
nun aus Rissen quillt, schmerzt
Tropfen um Tropfen wie heißes Wachs.

aus: Der ewige Brunnen,
Hg. Ludwig Reiners, 1955 und 2005,
Verlag C.H. Beck, S. 211-213

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