Das Himmelschluck-Lied von Peter Rühmkorf

Mein Herz beschert mir groben Spaß,
die Lunge kommt mir auch zupaß,
ich preise mein Gewicht.
Zeigt ernst die Nas nach Norden hin,
daß ich aus Lust geworden bin,
vergeß, vergeß ich nicht.

Die Bäume stehen sich durchs Jahr,
das Herz ist wunder- und wandelbar,
ich setz auf Wasnichtbleibt;
so Blüten, Laub und Schöpferklein
und leg dir Feuer ans Gebein,
bis daß es Funken treibt.

Schau, die katangaschwarze Nacht
hat die Machete mitgebracht
und säbelt in den Wind.
Da sind die Sterne aufgereiht,
Schnittmuster für die Ewigkeit,
der wir verloren sind.

Oh schönes Sein, oh großes Nuscht,
zwei Wolken, in die Luft getuscht,
die ich wohl fangen möcht.
Es fällt die Nacht, es steigt die Früh,
im Spiegel bleckt mein Kontervieh
sein heimliches Geschlecht.

Doch Ketzers Kopf voll Fröhlichkeit,
die Liebe bringt ihn um die Zeit,
und ist für gut verjuxt.
Dann aber kommt der Tag des Herrn
mit Donnerschlag und Mandelkern,
wo du den Himmel schluckst.

Quelle: http://www.lyrikline.org/de/gedichte/das-himmelschluck-lied-140#.WLWlGPKvhQB

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