ICH SCHLAFE IN MEINEN WORTEN von Omar Hazek

Für Mohamed Bouazizi*

Ich schlafe ein bisschen in meinen Worten.
Weckt mich nicht,
ich schlafe und die Vögel fächeln mir Luft zu.
Ich verließ euch und die Herrlichkeit eurer Geschichten,
um mein Schicksal zu vollenden.

In der Flamme erhole ich mich,
denn dort kommt ihr mir nicht nah.
Ich kenne meine Sprache nicht mehr,
meine Sprache ist zerfasert
wie eine alte Semmel in eurem Mund,
esst sie auf.
Aus meinem Körper lodern hoch die Flammen.
Ich bin mein Körper.

Ich glaube nicht mehr an euch.
Ich verließe euch, meine Buchstaben,
damit ihr bei meiner Leiche singt.
O mein Feuer,
in deinem Licht klopfte endlich mein Herz.
Und bin ich Vater geworden … mein Sohn ist meine Heimat.

Mein Rauch dringt höher als eure Sonne,
der Himmel schwimmt wie ein Apfel auf ihm.
Aus mir einspringt ein Fluss.
Lasst eure Boote auf ihm schwimmen.
Ich bringe euch aus meiner Ferne den Wind
und gebe euch die Hand.
24. Januar 2011

*Mohamed Bouazizi (1984-2011), war ein tunesischer Gemüsehändler, dessen Selbstverbrennung am 17. Dezember 2010 Auslöser der Revolution in Tunesien war, die den „Arabischen Frühling“ auslöste.

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Omar Hazek, In der Liebe des Lebens, Kassiber aus der Haft, Lyrik und Prosa, Aus dem Arabischen übertragen von Ishraga Mustafa Hamid unter der Mitarbeit von Kurt F. Svatek, Löcker, Wien, 2015

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